Kodierung: UTF-8 Zeilenumbruch: LF Kritische Bemerkungen zum griechischen Teil der sogennanten Europäischen Sortierregeln und zum Dokument CEN/TC 304 N877 ---------------------------------------------------------------------- Version: 9. Februar 2011 (c) Petr Březina, alle Rechte vorbehalten Neulich haben wir von einem der Mitautoren auf unseres Ansuchen hin das Dokument CEN/TC 304 N877 "Greek ordering" erhalten, wo Carl-Martin Bunz und Marc Wilhelm Küster im Rahmen des Projektes "European Ordering Rules", das zur Norm EN13710 führen sollte, versucht haben, "die standarde Praxis aus repräsentativen Beispielen aus griechischen Wörterbüchern abzuleiten". Wir haben sowohl das Dokument als auch die vorläufige Version der Norm (PreEN13710 vom 30. Mai 2010) sorgfältig durchgelesen und erlauben uns, durch das vorliegende Dokument unsere Bemerkungen zu der Arbeit von Bunz und Küster und zum griechischen Teil der vorläufigen Norm zu äußern; einige Bemerkungen gehen über den Rahmen des griechischen Sortierens hinaus und betreffen im algemeinen die Norm. Wir werden unsere Bemerkungen in folgender Reihenfolge vorstellen: 1. methodologische Bemerkungen 2. Bemerkungen zu einzelnen Punkten des Dokumentes "Greek ordering" 3. Bemerkungen zum griechischen Teil der vorläufigen Norm PreEN13710 4. Bemerkungen zu mehrwortigen Feldern 5. allgemeine Bemerkungen zur vorläufigen Norm PreEN13710 6. Konklusion Am Ende des vorliegenden Dokumentes befinden sich Fußnoten, auf die wir den Leser im Text durch Ziffern im eckigen Klammern verweisen, z.B. hier[1] ist Verweis auf Fußnote 1. Verweise auf Bemerkungen sind durch den Ausdruck "Bemerkung" (oder "Bemerkungen") und die Nummer (oder Numern), beides in eckigen Klammern, ersichtlich gemacht, z.B. [Bemerkung 1]. Durch Schrägstriche sind dagen Überschriften der Bemerkungen und der Fußnoten bezeichnet, z.B. /Bemerkung 1/. Außerdem dient der Schrägstrich auch zur Bezeichnung von Reihenfolgen, z.B. νόμος/νομός bedeutet daß das Wort νόμος dem Wort νομός vorangeht. Reihefolgen können allerdings auch anders bezeichnet werden. Unsere Bemerkungen sind natürlich nicht erschöpfend; wir haben nur das bemerkt, was wir in gegebenem Augenblick für bemerkenswert befunden haben. Die vorläufige Norm PreEN13710 ist frei zugänglich auf "http://wiki.cdfg.org/PreEN13710". Das Dokument CEN/TC 304 877 "Greek ordering" scheint inhaltlich identisch mit dem Dokument N652 zu sein, das auf "http://www.open-std.org/JTC1/SC22/WG20/docs/n652.pdf" frei zugänglich ist. Methodologische Bemerkungen --------------------------- /Bemerkung 1/ Wir haben in der Arbeit von Bunz und Küster einen wesentlichen methodologischen Mangel gefunden, und zwar daß Bunz und Küster das von LaBonté in 80er Jahren vor allem für das Französiche entworfene Vierniveau-Sortierverfahren als ein Dogma angenommen haben, ohne sich die Frage zu stellen, ob dieses Verfahren der Beschaffenheit der griechischen Sprache angemessen ist und ob dieses Verfahren dem Geiste der untersuchten Wörterbücher entspricht. Dieses Vierniveau-Verfahren ist freilich nicht die einzige Möglichkeit, wie man beim Sortieren[2] verfahren kann.[3] Wenn wir z.B. die rückläufige Auswertung der Akzente (etwa die Methode "backward") überlegen würden, würden wir ein selbständiges vorwärtsgehendes Niveau für Spiritus erwägen,[4] weil jeder vokalische Wortanfang entweder mit dem Spiritus lenis oder mit dem Spiritus asper bezeichnet ist und in der angenommenen erasmischen Ausprache, die mehr oder weniger der klassischen Ausprache gleicht, dieser dem Konsonanten "h" entpricht, während jener nicht ausgesprochen wird; deshalb scheint es, daß der Spiritus ein wichtigeres Unterscheidungsmerkmal als der Akzent sein sollte; die Neugriechen wären selbstverständlich anderer Meinung, weil sie in der Ausprache betonte Silben von unbetonten ziemlich gut unterscheiden, während der Spiritus spielt in der neugriechischen Ausprache keine Rolle (wenn man das polytonische[5] System verwendet). Bunz und Küster sehen alles nur in der labontéischen Perspektive (1. Grundbuchstaben, 2. Diakritik, 3. Großbuchstaben, 4. sonstige Zeichen) und unterlassen Sachen, die dieser Perspektive fremd sind, s. [Bemerkungen 7, 8, 9]; das steht aber im Widerspruch zu ihrer Absicht, die standarde Praxis aus griechischen Wörterbüchern abzuleiten. Manchmal bieten sie ungenaue Angaben dar, s. [Bemerkungen 3, 4, 8], sehen sie eher das, was sie sehen wollen, als das, was die Beispiele tatsächlich zeigen, oder sind sie inkonsistent, s. [Bemerkungen 5, 6, 11, 12]. Im algemeinen handelt es sich keinesfalls um repräsentative Beispiele; es sind ein paar Beispiele, die noch dazu nur a priori ausgewählte Erscheinungen betreffen. Dies zeigt wieder, daß Bunz und Küster eher dogmatisch als wissenschaftlich verfahren haben. Die Wissenschaftler wissen, daß wenn man empirisch einige Gesetzmäßigkeiten feststellen will, man eine größere Menge Beispiele untersuchen, gefundene Tendenzen überprüfen usw. muß. Wir wollen damit überhaupt nicht sagen, daß man griechische Sortierregeln anders als aufgrund einer sorgfältigen Untersuchung von Wörterbüchern nicht feststellen könnte. Wir weisen nur daruf hin, daß dies das Ziel der Arbeit von Bunz und Küster war, und daß die Arbeit den falschen Anschein erwecken könnte, als ob die von Bunz und Küster festgestellten Regeln auf griechischen Wörterbüchern begründet wären. /Bemerkung 2/ In die Wörterbücherliste könnte man vielleicht noch den Passow einschreiben, damit man der Tradition besser folgen kann, denn der Liddell-Scott ist eine englische Bearbeitung des griechisch-deutschen Wörterbuches von Passow, das außerdem auch die anderen hier angegeben Wörterbücher beeinflußt haben kann; der Passow gilt nämlich für einen Markstein in der altgriechischen Lexikographie. Neben dem Bailly könnte man auch das griechisch-französiche Wörterbuch von Magnien und Lacroix nennen, das viel neuer als Bailly ist (Bailly -- 1. Aufl. 1895, Magnien-Lacroix -- 1. Aufl. 1969) und im französichsprachigen Raum von nicht geringer Bedeutung ist -- es rivalisiert mit dem Bailly, obwohl der Bailly bei den Franzosen immer noch als Referenzwerk gilt.[6] Bemerkungen zu einzelnen Punkten des Dokumentes "Greek ordering" ---------------------------------------------------------------- /Bemerkung 3/ ἅσσα/ἄσσα; ἄττα/ἅττα -- Es wäre nicht exakt zu behaupten, daß in diesen zwei Fällen (nach den vorliegenden Angaben) die meisten Wörterbücher den Lenis vor den Asper einreihen würden. Wir stellen fest, daß in dem ersten Fall der Asper dem Lenis vorwiegend (im Verhältnis 6:3) VORANGEHT, während in dem zweiten Fall durchaus der Asper dem Lenis folgt (soweit es sich um die Pronomina handelt). Dies erklärt sich leicht dadurch, daß die Lexikographen voneinander abgeschrieben haben; die Rheihenfolge geht an Passow zurück. Es ist aber fraglich, warum er diese Reihenfolge ausgewählt hat, da die Form ἅσσα der attischen Form ἅττα und die Form ἄσσα der attischen Form ἄττα entspricht; deswegen würde man dieselbe relative Reihenfolge in beiden Fällen erwarten; es scheint, als ob es sich von Passows Seite um bloße Willkür handelte, die die Autoren der drei Wörterbücher, die die Reihenfolge ἄσσα/ἅσσα präsentieren, versucht haben zu korrigieren. Schlägt man aber das Wörterbuch von Schneider (3. Aufl.) nach, dessen Bearbeitung Passows Wörterbuch ist, kann man vermuten, daß die unlogische Reihenfolge von Passow sich aus partieller, inkonsequenter Änderung (oder "Korrektur") von Passows Seite ergeben kann, weil im Wörterbuch von Schneider ἅσσα/ἄσσα und ἅττα/ἄττα ist (wir können präzisieren, daß Schneider sowohl dem pronominalen Paar ἅττα/ἄττα als auch dem Paar ἅσσα/ἄσσα je einen Artikel gewidmet hat, während Passow das Paar ἅσσα/ἄσσα in zwei selbständige Artikel verteilt hat). Außerdem haben wir festgestellt, daß Bunz und Küster vergessen hatten, Baillys Reihenfolge ἄττα/ἄττα/ἅττα anzugeben, was ihre Behauptung, daß in den meisten Wörterbüchern ἄττα "Vater" der pronominalen Formen folgt, in Zweifel stellt, weil wir in den vorliegenden Reihenfolgen nur einen unbestreitbaren Beleg (Gemoll97) für diese Behauptung sehen und beim besten Willen noch einen zweiten (LSJ; die Reihenfolge in LJS ist aber problematisch, da dieses Wörterbuch beide pronominalen Formen in einen und denselben Artikel als zwei Bedeutungen einschließt, so daß es undenkbar ist, den Artikel ἄττα "Vater" zwischen sie einzuschieben; auch diese Reihenfolge geht an Passow zurück), während zwei andere Wörterbücher (Bailly und Menge) einen Gegenbeweis (korrigierte Reihenfolge?) darbieten, und wir können noch hinzufügen, daß sich in dem Wörterbuch von Magnien und Lacroix genauso wie im Bailly die Reihenfolge ἄττα (Vater) / ἄττα (Pronomen) / ἅττα (Pronomen) befindet. /Bemerkung 4/ Ἅιδης -- Hier fehlt wieder eine Angabe aus dem Bailly, wo sich zwar ᾅδης mit Iota subscriptum vor ἁδήσω, aber Ἅιδης mit Iota ADSCRIPTUM nach αἰδήμων befindet, was die starke Behauptung von Bunz und Küster (daß der lange Diphthong, der Αι geschrieben wird, in ALLEN Wörterbüchern dem einfachen α äquivalent sei) abschwächt. Diese Unterlassung ist aber von geringer Bedeutung, da die Reihenfolge von den Diphthongen mit dem Iota adscriptum, die im Bailly belegt ist, unseres Wissens in der Altphilologie heutzutage nicht lebendig ist. Trotzdem empfehlen wir, (besonders in Schulwörterbüchern und in Listen, die Nichtfachleuten bestimmt sind) an der Stelle, wo das Stichwort eingereiht werden sollte, wenn man das Iota adscriptum für ein echtes Iota halten würde, einen Hinweis zu machen, um die Suche den Laien zu erleichtern. /Bemerkung 5/ ἦ, ἤ usw. -- In den vorliegenden Beispielen sehen wir keinen Beweis für die Behauptung von Bunz und Küster, daß es in den meisten von anderen Wörterbüchern als LSJItalian und Dvoreckij keine graphische Hierarchie gebe und daß das Iota subscriptum als das Unterscheidungsmerkmal höchster Priorität (im zweiten Niveau) behandelt werde. Nimmt man gemäß der Beschaffenheit der griechischen diakritischen Zeichen eine Hierarchie an, wo sich auf einer Stufe die Unterzweige "nicht-Iota subscriptum" und "Iota subscriptum", auf einer anderen Stufe die Unterzweige "nicht-Spiritus", "Spiritus lenis" und "Spiritus asper" und auf einer dritten Stufe die Unterzweige "nicht-Akzent" und die verschiedenen "Akzente" befinden (vgl. [Bemerkung 16]), kann man in LSJ, LSJRevSuppl, Pape und Gemoll97 sehen, daß hier mindestens die zwei erstgenannten Stufen der Hierarchie eingehalten sind, ohne daß man aber die Priorität dieser zwei Stufen feststellen kann (also ob die Iota-Stufe höhere Priorität als die Spiritus-Stufe hat); die Akzenten-Stufe wäre die dritte. In LSJ und LSJRevSuppl sind sogar die Akzente in der allgemein erwarteten Reihenfolge; diese zwei Wörterbücher zeigen also für das angegebene Beispiel ganz systematische Ordnung nach der graphischen Hierarchie der Diakritik. Aber auch über die Reihenfolgen, die sich in Gemoll97, Bauer und LfgrE befinden, kann man bloß aufgrund dieses Beispieles nicht behaupten, daß sie in Unordnug seien. Man könnte auch denken, daß in LSJ, LSJRevSuppl ebenso wie in LSJItalian und Dvoreckij die Iota-Stufe die niedrigste Priorität, die Akzenten-Stufe die zweithöchste und die Spiritus-Stufe die höchste Priorität (oder die Akzenten-Stufe die niedrigste und die Iota-Stufe die zweithöchste) habe. Wir betonen, daß das, was wir von der Graphik dieser Beispiele gezeigt haben, nur Zufall sein kann, und daß man für relevante Ergebnisse weitere Untersuchungen für andere Beispiele unternehmen müßte. Die Schlüsse von Bunz und Küster begreifen wir überhaupt nicht; auch wenn sie die griechischen diakritischen Zeichen nicht hierarchisch, sondern linear angesehen hätten, würde ihre Behauptung dadurch nicht begründet. /Bemerkung 6/ πρῴ/πρωΐ -- Wie können diese Beispiele etwas über das Iota adscriptum zeigen, wenn es hier kein Iota adscriptum gibt?! Hier sehen Bunz und Küster wieder eher das, was sie sehen wollen, als das, was hier tatsächlich ist. /Bemerkung 7/ δόλιος/Δολίος -- Kleinbuchstaben/Großbuchstaben -- Es ist zu bemerken, daß wir im Bailly die Tendenz gefunden haben, der Unterscheidung zwischen den Kleinbuchstaben und den Großbuchstaben höhere Priorität beizulegen als den diakritischen Zeichen: ἀλκή/ἄλκη/Ἀλκή, αἰόλος/Αἴολος aber auch αὔλιον/Αὐλίον, αἱμός/Αἷμος aber auch αὖλις/Αὐλίς, andere Beispiele: αἰητός/αἴητος/Αἴητος, ἀλέξω/Ἀλεξώ, αὔξω/Αὐξώ, ῥοδών/Ῥόδων. Ob sich um eine Regel (oder mindestens um eine Gesetzmäßigkeit) handelt, das müßte durch eine gründliche Untersuchung festgestellt werden, die wir aber nicht untergenommen haben. Jedenfalls gibt es mindestens eine Ausnahme: λόχος/Λόχος/λοχός. Vergleiche auch [Bemerkung 9]. /Bemerkung 8/ νομός/νόμος -- Wir können mit den Behauptungen, die Bunz und Küster in der Fußnote 12 ausgesprochen haben, nicht übereinstimmen. Erstens erwecken sie den Eindruck, als ob die vier von ihnen angegebenen Paare wären die einzigen altgriechischen Wörter, die sich nur durch Akzente voneinander unterscheiden und gleichzeitig eine (mindestens aus philologischer und paläographischer Sicht) unterschiedliche Semantik zeigen; es ist aber nicht wahr, da wir noch andere Paare, die diesen Kriterien[7] entsprechen, kennen: βίος (Leben) / βιός (Bogen), θέα (das Anschauen) / θεά (Göttin), κύρτος (Reuse) / κυρτός (krumm; Verwandschaft dieser zwei Wörter ist nach Chantraine, Dict. étym., unwahrscheinlich), ja auch φώς (Mann) / φῶς (Licht); man kann dazuzählen auch morphologische Paare Substantiv/Adjektiv, die von einer und derselben Wurzel abgeleitet sind und eine mehr oder weniger verwandte Semantik zeigen, z.B. αἶθος "Brand" / αἰθός "verbrannt, schwarz" (die vier von Bunz und Küster angegebenen Paare sind allerdings auch von denselben Wurzeln abgeleitet und eine mehr oder weniger verwandte Semantik zeigen: τόμος "Schnitt" / τομός "schneidend, scharf"). Zweitens beschränken sie ohne Begründung (in dem zweiten Satz der Fußnote) die Beispiele nur auf Nomina, obwohl es auch morphologische Paare Verb/Substantiv gibt, z.B. πείθω "überreden" / πειθώ "Überredung". Der Kommentar ist aber von einer größeren Bedeutung als die Fußnote. Dazu können wir folgendes sagen: Es scheint zwar, daß Liddell und Scott wirklich eine Vorliebe dafür haben, Wörter, die den Akzent näher am Ende haben, vor Wörter, die den Akzent näher am Anfang haben, einzureihen, es kann aber keine Rede davon sein, daß es sich um eine ganz konsistente Regel handle, da wir auch die umgekehrte Reihenfolge finden, z.B. κύρτος/κυρτός, βίος/βιός. Die Reihenfolge beider Paare geht an Passow zurück. Bei dem Paar βίος/βιός kann sich die Reihenfolge dadurch erklären, daß der Ausdruck βιός (Bogen) nur bei Homer und bei Heraklit (vgl. Chantraine, Dict. étym.) belegt ist, während βίος (Leben) ein geläufiger Ausdruck ist. Außerdem haben wir im Liddell-Scott (sowohl als im Passow) gesehen, daß Wörter, bei denen weniger Buchstaben mit Diakritik (nämlich mit einem Spiritus oder einem Akzent oder ihren Kombination) versehen sind, vor Wörter, bei denen mehr Buchstaben mit Diakritik versehen sind, eingereiht werden, also: αἴητος/αἰητός, αἶθος/αἰθός, αἶνος/αἰνός(/ἄϊνος). Ob es sich um eine Regel handelt, müßte man durch eine gründliche Untersuchung feststellen, die wir aber nicht untergenommen haben (die Ausnahme εἰμί/εἶμι ist hier von kleiner Bedeutung). (Wir haben die 8. Auflage, etwa 1901, nachgeschlagen, weil die 9. uns zur Verfügung nicht lag; die Reihenfolge der vier von Bunz und Küster angegebenen Paare ist in der 8. Auflage dieselbe, wie Bunz und Küster sie aus der 9. Auflage abgeschrieben haben.) Wir werden uns gerne davon belehren lassen, was für die alphabetische Reihenfolge νομός/νόμος Relevantes die alexandrinischen Grammatiker hinterlassen hätten; vielleicht könnten Bunz und Küster eine Zitation oder einen Hinweis angeben. Nehmen wir jetzt zehn folgende Paroxytonon/Oxytonon-Paare: βίος/βιός, θέα/θεά, μέλλω/μελλώ, νόμος/νομός, πείθω/πειθώ, πότος/ποτός, τόμος/τομός, τρόπος/τροπός, τρόχος/τροχός, φόρος/φορός, und betrachten wir, wie diese Paare sortiert werden in einem griechisch-französischen (Bailly), einem griechisch-deutschen (Gemoll) und einem griechisch-englischen Wörterbuch (Liddell-Scott). Das Verhältnis der Reihenfolgen Paroxytonon (d.h. auf der vorletzen Silbe betontes Wort) zuerst und Oxytonon (d.h. auf der letzen Silbe betontes Wort) zuerst ist genau 15:15 (also fifty-fifty). Man kann den Gemoll durch den Pape ersetzen und das Verhältnis bleibt dasselbe, obwohl Gemoll und Pape einige Paare anders sortieren (z.B. φόρος/φορός Gemoll und φορός/φόρος Pape). Wir wollten durch dieses Experiment zwei Sachen zeigen: 1. daß durch geschickte Auswahl der Beispiele man beliebige erwünschte Ergebnisse erzielen kann, und 2. daß die Bevorzugung der Direktionalität "forward" in repräsentativen altgriechischen Wörterbüchern nicht so eindeutig ist, wie es Bunz und Küster möchten.[8] Wir denken, daß die Altphilologen die Tendenz haben, sich beim Sortieren griechischer Wörter zu richten teilweise nach lokalen Bräuchen, die für ihre Muttersprache gültig sind (z.B. ein tschechischer Altphilologe würde griechische Wörter à la tchèque sortieren, während sein französische Kollege à la française), teilweise nach Autoritäten (aber jeder Altphilologe hält andere Werke für Autoritäten), teilweise überlegt nach der Beschaffenheit des Griechischen, teilweise nach Einflüssen ihrer ausländischen Kollegen, und einige auch nach der neugriechischen Praxis. Um die Besprechung der Direktionalität zu schließen, erwähnen wir, daß der Register eines französischen Werkes, das im Gebiet der Altphilologie von nicht geringer Bedeutung ist (Meillet und Vendryes: Traité de grammaire comparée des langues classiques, 4e édition, nouveau tirage revu, Paris 1968), fast systematisch[9] so sortiert ist, als ob bei seiner Vorbereitung die Direktionalität "backward" gebraucht worden wäre (man findet dort sogar die Reihenfolge ἅγος/ἀγός, die aber auch anders erklärt werden kann, vgl. oben die Besprechung von αἶθος/αἰθός im Liddell-Scott). /Bemerkung 9/ πρός/προσ- -- In der [Bemerkung 7] haben wir eine Hypothese darüber ausgesprochen, daß im Bailly die Unterscheidung zwischen Kleinbuchstaben und Großbuchstaben eine höhere Priorität haben kann als die diakritischen Zeichen. Jetzt können wir diese Hypothese folgendermaßen ergänzen: die durch den Bindestrich bezeichnete etymologische oder morphologische Struktur kann eine höhere Priorität als die Großbuchstaben haben, wie man es in folgenden Beispielen sieht: Ἅιδης/ἀ-ϊδής (vgl. auch [Bemerkung 4]), αἰνός/αἶνος/Αἶνος/ἄ-ϊνος, αὐλός/Αὖλος/ἄ-ϋλος. In allen drei Fällen ist ein Alpha privativum durch den Bindestrich separiert. Die Diärese scheint hier keinen Einfluß auf die Reihenfolge zu haben, weil wir ἀϊών (oder ἀΐων)/αἰών/Αἰών finden, wo es keinen Bindestrich gibt (die Etymologie dieses Ausdruckes ist unbekannt), und vielleicht daher kann das Wort mit Diärese den anderen vorangehen. Wäre diese Hypothese richtig, müßten Bunz und Küster ihre Behauptung über die morphologischen Separatoren umwerten. Wir betonen aber, daß es sich unsererseits nur um eine Hypothese handelt, und wir haben keine Lust sie zu überprüfen, da es unser Ziel (zum Unterschied von Bunz und Küster) nicht ist, die standarde Praxis von griechischen Wörterbüchern abzuleiten. Wir bemerken noch, daß der Register der oben gennaten Vergleichenden Grammatik von Meillet und Vendryes normale Wörter, Präfixe (Bindestrich nach) und Suffixe (Bindestrich vor) enthält und daß die normalen Wörter abgesehen von diakritischen Zeichen den Präfixen, die die gleichen Grundbuchstaben haben, und die Präfixe den Suffixen vorangehen, z.B. ἕ/ἐ-/-ε ἵζω/-ιζω. Vergleiche auch in der neugriechischen Abteilung der Arbeit von Bunz und Küster die aus dem Wörterbuch von Wendt angegebenen Reihenfolgen πρός/προσ- und εἰς/εἰσ-/εἷς und [Bemerkung 10]. Bemerkungen zu den "Conclusionen" --------------------------------- /Bemerkung 10/ Sigma -- Bunz und Küster sagen, daß das Unterscheiden zwischen den zwei Sigma-Varianten beim Sortieren Sache persönlichen Geschmacks ist, also äußern wir hier unsere persönliche Meinung: Die griechischen diakritischen Zeichen sind Unterscheidungsmerkmale, die Nuancen der Aussprache bezeichnen, die durch Grundbuchstaben nicht geäußert werden können. In moderner Rechtschreibung äußern die Großbuchstaben, daß etwas Besonderes im Text beginnt (ein neuer Gedanke oder ein Eigenname) und deshalb sollen sie die Aufmerksamkeit des Lesers auf sich ziehen. Das Endugssigma ist nur eine graphische Variante, ebenso wie das französische Beta, ein besonderes Merkmal der französischen Altphilologie, auf das die Franzosen mit vollem Recht stolz sind, aber das heutzutage keine praktische Bedeutung hat, oder noch wie das mitteleuropäische Theta. Das Endugssigma ist zwar Positionsvariante, die am Wortende steht, aber in moderner Perspektive ist ihre Funktion nicht, das Wortende zu bezeichnen (es ist vielleicht ein Nebeneffekt). Das Ende eines Wortes oder seine Fortsetzung wird anders ersichtlich gemacht; bei einwortigen Stichwörtern kann man z.B. folgende Paare finden: πρός (Präposition) / προσ- (Präfix) und σύν (Präposition) / συν- (Präfix); hier wird das Fortsetzung der Wörter durch einen Bindestrich gekennzeichnet. Es scheint uns, daß es unangemessen wäre, den graphischen Varianten gleiches Gewicht beilegen wie den diakritischen Zeichen, von denen sie sich übrigens auch optisch viel abweichen. Auch mit der Unterscheidung zwischen Kleinbuchstaben und Großbuchstaben haben die graphischen Varianten unserer Meinung nach wenig zu tun. Deshalb scheint uns, daß es geeignet ist, die graphischen Varianten erst auf dem vierten Niveau zu unterscheiden, wo man alle übrigen Unterscheidungen macht. Man könnte sogar an ein fünftes Niveau für die graphischen Varianten denken. Die sogennanten Europäischen Sortierregeln ergeben folgende Reihenfolge von vier Präposition/Präfix-Paaren: εἰσ- εἰς ἐν ἐν- προσ- πρός συν- σύν Aus menschlicher Sicht ist diese Reihenfolge unsystematisch. Um sie ein bißchen zu systematisieren, könnte man ein fünftes Niveau für die Sigma-Varianten einführen oder das Endugssigma vor das normale Sigma einreihen. Nichtsdestoweniger würde man ein besseres Ergebnis erzielen, wenn man ein zusätzliches Niveau (zwischen dem Grundniveau und dem Diakritik-Niveau) für den Bindestrich einführen würde, vgl. [Bemerkung 9]. Man solte aber alle Folgerungen des zusätzlichen Bindestrich-Niveaus (besonders für das Neugriechische) gut überlegen. Man könnte auch überprüfen, wie sich die graphischen Varianten bei mehrwortigen Stichwörtern benehmen, weil auch solche Beispiele denkabar sind (z.B. "λέγεις τροφήν" und "λέγει στροφήν" usw.). Dabei muß man aber im Sinn haben, daß bei dem Buchstabe-für-Buchstabe-Sortieren es überhaupt nicht darum geht, einzelne Wörter voneinander zu unterscheiden, und daß folgende Häßlichkeiten normal sind (vgl. aber auch [Bemerkung 29]): ὁ πατὴρ αὐτοῦ ὄπα Τηρέως ἀκούω ὁ πατὴρ ὑμῶν /Bemerkung 11/ Wir begreifen nicht die Konklusion über die Priorität von Iota subscriptum, s. [Bemerkung 5]. Außerdem haben Bunz und Küster zwei zueinander im Widerspruch stehede Konklusionen formuliert: im zweiten Paragraph der "Conclusionen" heißt es: "in most cases [iota subscriptum] is treated as the highest-priority distinction on level 2", während im sechsten Paragraph liest man: "The 'most important' diacritics are breathing marks". Hat etwas, was am wichtigsten ist, nicht die höchste Priorität? Oder wie soll man es verstehen? Im Kommentar zu der Reihe ἦ, ἤ usw. entsprächen der EOR-Praxis LSJItalian und Dvoreckij, während in der Fußnote 15 es LSJItalian und Menge seien. Wieso? /Bemerkung 12/ Direktionalität auf dem zweiten Niveau -- Bunz und Küster behaupten im dritten Paragraph der "Conclusionen", daß allem Anschein nach die Direktionalität "forward" auf dem zweiten Niveau klar bevorzugt wird. Diese Behauptung steht aber im Widerspruch zu ihren eigenen Kommentaren, denn sie haben zwar bei den altgriechischen Wörterbüchern die Direktionalität "forward" festgestellt, aber bei den neugriechischen Wörterbüchern haben sie gezeigt, daß das auf der ersten Silbe betonte Wort stets zuerst sortiert sei (also "backward"). Soweit wir wissen, gilt es für allgemeine Wahrheit, daß Akzente in den neugriechischen Wörterbüchern à la française (also rückwärts) sortiert werden. Auf der anderen Seite haben wir in der [Bemerkung 8] gezeigt, daß bei den altgriechischen Wörterbüchern die Direktionalität nicht so eindeutig ist, wie es Bunz und Küster möchten. Es ist überraschend, daß ein paar Paragraphe weiter Bunz und Küster eine neue Konklusion über die Direktionalität im zweiten Niveau formulieren, wo sie gestehen, daß die Praxis nicht einmütig sei und daß sie beide Direktionalitäten gefunden hätten. /Bemerkung 13/ Bunz und Küster behaupten: "Simple diacritics appear before combinations of that diacritic with other diacritics." Wir haben diese Behauptung im Rahmen einer Hypothese in Zweifel gestellt, s. [Bemerkung 8] (über Wörter, die kleinere Anzahl von Diakritik betroffene Buchstaben haben als andere). /Bemerkung 14/ Bunz und Küster behaupten: "Spaces and hyphens are consistently ignored." Wir haben in der [Bemerkung 9] eine Hypothese geäußert, daß Bindestriche mindestens im Bailly früher als die Diakritik in Betracht genommen werden können, und in der [Bemerkung 10] haben wir gezeigt, warum es so besser sein kann. Bemerkungen zum griechischen Teil der vorläufigen Norm PreEN13710 ----------------------------------------------------------------- /Bemerkung 15/ In diesem Teil unserer kritischen Bemerkungen nehmen wir gemäß der vorläufigen Norm PreEN13710 ein Vierniveau-Verfahren an, wo Vergleiche auf allen Niveaus ausschließlich mit der Methode "forward" durchgeführt werden; es scheint mehr oder weniger akzeptabel, man sollte aber zwei zusätzliche Niveaus erwägen (ein für den Bindestrich, ein für graphische Varianten, s. [Bemerkung 10]). Nichtsdestoweniger wenn man das zweite Niveau à la française (also "backward") durchfüfren wollte, sollte man unserer Meinung nach ein selbständiges Niveau für Spiritus zugeben, s. [Bemerkung 1]. Wir haben verstanden, daß der griechische Teil der vorläufigen Norm PreEN13710 identisch mit dem bezüglichen Teil der Tabelle ISO14651_2006_TABLE1_en.txt bzw. ihrer französischen Schwester ISO14651_2006_TABLE1_fr.txt ist. Deshalb haben wir diese Tabelle(n) untersucht. /Bemerkung 16/ Die Diakritik wird unsystematisch sortiert; die Tabelle ergibt folgende Reihenfolge: ἐντός ἔντος κωμῴδει κωμῳδεῖ παιδεύσαι παιδεῦσαι παίδευσαι Man braucht nicht Fachmann zu sein, um zu erkennen, daß κωμῴδει/κωμῳδεῖ hier falsch ist. Wir denken, daß die diakritischen Zeichen hierarchische Struktur haben sollten, wo folgende Elemente sinkende Priorität haben: 1. Absenz oder Präsenz von Spiritus und sein Typ, 2. Absenz oder Präsenz von Iota subscriptum, 3. Absenz oder Präsenz von Akzent und sein Typ, 4. Absenz oder Präsenz von Diärese, 5. Absenz oder Präsenz von eventuellen anderen diakritischen Zeichen, die in der normalen polytonischen Schreibung nicht verwendet werden, und ihr Typ (z.B. "bracheia" und "makra"). Hier ist Übersicht der normalen griechischen diakritischen Zeichen (also bis die vierte Stufe): ohne Spiritus ohne Iota subscriptum ohne Akzent 01. ohne Diärese ( ) 02. mit Diärese (¨) mit Akut 03. ohne Diärese (´) 04. mit Diärese (΅) mit Gravis 05. ohne Diärese (`) 06. mit Diärese (῭) mit Zirkumflex 07. ohne Diärese (῀) 08. mit Diärese (῁) mit Iota subscriptum ohne Akzent 09. ohne Diärese (ͺ) mit Akut 10. ohne Diärese (´ͺ) mit Gravis 11. ohne Diärese (`ͺ) mit Zirkumflex 12. ohne Diärese (῀ͺ) mit Spiritus lenis ohne Iota subscriptum ohne Akzent 13. ohne Diärese (᾿) mit Akut 14. ohne Diärese (῎) mit Gravis 15. ohne Diärese (῍) mit Zirkumflex 16. ohne Diärese (῏) mit Iota subscriptum ohne Akzent 17. ohne Diärese (᾿ͺ) mit Akut 18. ohne Diärese (῎ͺ) mit Gravis 19. ohne Diärese (῍ͺ) mit Zirkumflex 20. ohne Diärese (῏ͺ) mit Spiritus asper ohne Iota subscriptum ohne Akzent 21. ohne Diärese (῾) mit Akut 22. ohne Diärese (῞) mit Gravis 23. ohne Diärese (῝) mit Zirkumflex 24. ohne Diärese (῟) mit Iota subscriptum ohne Akzent 25. ohne Diärese (῾ͺ) mit Akut 26. ohne Diärese (῞ͺ) mit Gravis 27. ohne Diärese (῝ͺ) mit Zirkumflex 28. ohne Diärese (῟ͺ) Es scheint uns, daß die von uns entworfene Hierarchie (zum Unterschied von der Tabelle der Norm) den schönen Effekt hat, daß wenn ein und dasselbe Wort auf der zu sortierenden Liste sowohl in der monotonischen als auch in der polytonischen Schreibung vorkommt, wird das monotonische Wort nach der Sortierung dem polytonischen Worte immer vorangehen (obwohl es nicht notwendigerweise unmittelbar vorangehen wird). Ob diese Behauptung hundertprozentig wahr ist, sollte vielleicht ein Neogräzist überprüfen (wir lassen es als Hypothese). Genauso, wie es die vorläufige Norm PreEN13710 vernünftig[10] entwirft, sollte man zwischen dem polytonischen und dem monotonischen Akut[11] erst auf dem vierten, oder sogar auf einem fünften Niveau (falls man das fünfte Niveau zuläßt, vgl. [Bemerkungen 10, 15]) unterscheiden. /Bemerkung 17/ Die selbständigen griechischen diakritischen Zeichen haben eine andere relative Reihenfolge als die mit Buchstaben kombinierten griechischen diakritischen Zeichen. Vielleicht wäre es vernünftig, beides zu vereinheitlichen, vgl. aber auch [Bemerkung 19]. Auch unlogisch scheint es, daß die selbständigen diakritischen Zeichen Iota subscriptum (U037A) und Iota adscriptum (U1FBE) nicht als diakritische Zeichen, sondern als ein echtes Iota behandelt werden. /Bemerkung 18/ Man soll das Iota adscriptum für ein diakritisches Zeichen halten. Die französische Version der Norm ISO/CEI 10646 bietet Großbuchstaben mit Iota SUBSCRIPTUM (französisch "iota souscrit") dar, während die englische Version der Norm an denselben Stellen Großbuchstaben mit Iota ADSCRIPTUM (neugriechisch in englischer Umschrift "prosgegrammeni", französisch "iota adscrit") hat; die graphische Repräsentation dieses Iotas ist aber in beiden Versionen der Norm identisch und ist von beiden Versionen gebrandmarkt, denn dieses Iota hat Größe vom Iota subscriptum, aber Stellung vom Iota adscriptum. Vielleicht diese Inkonsekvenz der Norm hat dazu geführt, daß man in einigen Fonts an diesen Stellen Großbuchstaben mit einem wirklichen Iota subscriptum und in anderen Fonts Großbuchstaben mit einem wirklichen Iota adscriptum findet. Aus der Sicht der Gräzisten ist die Existenz dieser unklar definierten Zeichen überflüssig, weil die Gräzisten gewöhnt sind, bei Großbuchstaben anstatt des Iotas subscriptum das Iota adscriptum zu schreiben, und zwar in der Größe von einem normalen Iota; das bedeutet, daß sie mit dem normalen Kleinbuchstaben Iota auskommen, den sie den jeweiligen Großbuchstaben nachstellen. Vielleicht wäre es vernünftig, diese übliche Praxis in der Tabelle der Norm zu berücksichtigen und folgende Äquivalenzen zu ergänzen: Ἀι := ᾈ, Ἄι := ᾌ usw. (daß es sich um Iota adscriptum handelt, wird dank der Stellung von der Diakritik erkannt), vgl. dazu auch [Bemerkung 21]. /Bemerkung 19/ Diakritische Zeichen werden den griechischen Großbuchstaben vorangestellt. Auf dem Niveau 1 der Implementierung von dem Universalen Zeichensatz (definiert in der Norm ISO/CEI 10646, Artikel 14) hat man praktisch zwei Möglichkeiten, wie griechische Großbuchstaben mit Dikritik zu schreiben: Entweder stellt man zwei Zeichen nebeneinander -- ein selbständiges diakritisches Zeichen und einen Großbuchstaben, z.B. ῞Ομηρος, oder man verwendet ein einzelnes Zeichen, das Diakritik mit einem Buchstaben kombiniert, z.B. Ὅμηρος; diese zweite Möglichkeit ist in nichtproportionalen Schriftarten (Schreibmaschinenschrift) sehr schlecht lesbar, denn zwei Zeichen müssen auf die Breite von einem Zeichen gesetzt werden. Es wäre vernünftig, in der Tabelle der Norm beide Möglichkeiten zu berücksichtigen und für äquivalent (oder quasiäquivalent, s. [Bemerkung 21]) zu halten. /Bemerkung 20/ Die Koronis und der Spiritus lenis stellen ein und dasselbe Zeichen dar; aus der graphischen Sicht kann man sagen, daß die Koronis in der Mitte eines Wortes (z.B. καλοκἀγαθία) dasselbe ist, was der Spiritus lenis am Anfang eines Wortes (z.B. ἀγαθός); der linguistische Hintergrund ist hier unwichtig; trotzdem hat die Koronis aus unbegreiflichen Gründen in der Norm ISO/CEI 10646 ihre eigene Stelle (U1FBD), aber Kombination der Koronis mit Vokalen (was vielleicht logischer wäre als das selbständige Zeichen Koronis) finden wir in der Norm ISO/CEI 10646 nicht. Weil sich die selbständige Koronis in der Norm praktisch gleich neben dem Spiritus lenis befindet, ist es wahrscheinlich, daß einige Benutzer sie mit ihm verwechseln werden, und so wäre es vernünftig, die Koronis in der Tabelle der Norm PreEN13710 in gleicher Weise wie den Spiritus lenis zu behandeln (dies betrifft vor allem [Bemerkung 19], vgl. auch [Bemerkung 21]). /Bemerkung 21/ Die Tabelle der Norm unterscheidet zwischen dem polytonischen und dem monotonischen Akut auf dem vierten Niveau, während die Unterscheidung von Buchstabenvarianten (z.B. Beta oder Sigma) wird auf dem dritten Niveau durchgefürt. Wir denken das alle Variantenunterscheidungen (und Unterscheidungen zwischen Äquivalenten) sich auf dem vierten (oder vielleicht auf einem fünften) Niveau geschehen sollten, vgl. [Bemerkungen 10, 15]; es betrifft nicht nur den Akut und die Buchstabenvarianten, sondern auch z.B. den Strichpunkt (s. [Bemerkung 23]), die Koronis (s. [Bemerkung 20]) oder die Kombinationen von Diakritik und Großbuchstaben (s. [Bemerkung 19]) usw. Wir denken, daß alle Äquivalenzen, von denen wir in unseren Bemerkungen sprechen, sein sollten nicht absolute Äquivalenzen, sondern Quasiäquivalenzen, die sich auf dem letzten Niveau voneinander unterscheiden. /Bemerkung 22/ In der Tabelle der Norm sind folgende Reihenfolgen bestimmt: σ/ϲ/ς und Σ/Ϲ. Das kleine Halbmondsigma ist eine logische "Obermenge" von dem normalen kleinen Sigma und dem Endungssigma. Vielleicht könnte man darum die Reihenfolge ϲ/σ/ς und der Symetrie halber auch Ϲ/Σ erwägen. /Bemerkung 23/ Der deutsche Strichpunkt wird im Griechischen als Fragezeichen verwendet. Die Norm ISO/CEI 10646 hat dieses Zeichen an zwei Stellen -- U003B "point-virgule" und U037E "point d'interrogation grec". Die Sortiertabelle ISO14651_2006_TABLE1_fr und daher auch die Tabelle der Norm PreEN13710 sortieren beide Zeichen anders. Wir denken, daß es vernünftig wäre, beide Zeichen für äquivalent (oder quasiäquivalent, d.h. beide Zeichen unmittelbar nacheinander einzureihen) zu halten, da die Benutzer beide Zeichen in griechischen Texten verwechseln. Ähnliches gilt für die Zeichen U0387 "carctère grec ano teleia" und U00B7 "point médian", die im Griechischen als Strichpunkt dienen. /Bemerkung 24/ Der Buchstabe Koppa (ursprünglich "K" wie das semitische Vorbild Koph), das als Zahlzeichen neunzig verwendet wird, hat zwei Varianten -- eine ältere (ϙ -- U03D9), die von Altphilologen bevorzugt wird, und eine neuere (ϟ -- U03DF), die vor allem im Neugriechischen (manchmal aber auch in der Altphilologie) verwendet wird. Die Tabelle der Norm hält diese Varianten für zwei selbständige Grundbuchstaben; wir denken aber, daß man sie nur für einen Grundbuchstaben halten sollte. Für unlogisch halten wir auch die Tatsache, daß nach der Tabelle das Digamma vor dem Stigma, aber das alte Koppa nach dem neuen Koppa sortiert wird; unserer Meinung nach sollte man die historische Reihenfolge einhalten und das alte Koppa vor dem neuen Koppa ebenso wie das Digamma vor dem Stigma sortieren (aber beides nicht auf dem ersten, sondern später -- auf dem vierten oder fünften Niveau); für diese historische Reihenfolge spricht auch die Bedeutung der Varianten: die älteren dienen als Zahlzeichen oder Konsonant, während die neueren nur als Zahlzeichen, vgl. [Bemerkung 25]. /Bemerkung 25/ In der Tabelle der Norm werden das Digamma und das Stigma als zwei selbständige Grundbuchstaben behandelt. Es handelt sich aber im Prinzip um einen und denselben Buchstabe. An der sechsten Stelle des griechischen Alphabets war der Buchstabe Digamma (das semitische Waw), der den Konsonanten "W" bezeichnete. Nachdem dieser Konsonant im Griechischen verschwunden war, benutzte man das Digamma nur noch als Zahlzeichen sechs. In der mittelalterlichen Schrift war das Digamma der Ligatur Sigma-Tau, die Stigma gennant wird, so sehr ähnlich, daß man schließlich aufgehört hat, den Unterschied zwischen dem Digamma und dem Stigma zu machen. Im Neugriechischen benutzt man dieses Zeichen unter dem Namen Stigma für die Bezeichnung des Zahlenwertes sechs. Die Altphilologen benutzen die ursprüngliche Form des Digammas (besonders für den Konsonanten "W"). Die Nummer sechs wird von den Altphilologen manchmal durch das Digamma, manchmal auch durch das Stigma bezeichnet; man findet auch folgende ziemlich logische Praxis für das Zahlzeichen sechs: als Großbuchstabe das Digamma und als Kleinbuchstabe das Stigma (so in "Encyklopedie antiky", 2. Aufl., Praha 1974, S. 128). Aus unserer Sicht gibt es keinen Grund dafür, das Digamma und das Stigma für zwei selbständige Buchstaben zu halten, es sind eher zwei Varianten eines Buchstabens. In der alphabetischen Reihenfolge gehört ihnen die sechste Stelle (das Stigma dient nicht mehr als Ligatur, sonst müßte man es ganz anders sortieren, und nicht vor das Zeta einreihen). /Bemerkung 26/ Heutzutage ersetzen die Griechen gewöhnlich das Stigma durch die Gruppe Sigma-Tau. Wenn sie Buchstaben in numerischer Bedeutung benutzen, versehen sie die Buchstaben mit speziellen Strichen (dexia keraia -- U0374 und aristeri keraia -- U0375). Da es dank diesen speziellen Strichen leicht zu erkennen ist, wo die Gruppe Sigma-Tau als Ersatz des Stigmas dient, könnte man in die Sortiertabelle folgende Äquivalenzen ergänzen, um das von den (griechischen) Benutzern erwartete Sortierergebnis zu erzielen: στʹ := ϛʹ ͵στ := ͵ϛ ͵στʹ := ͵στʹ Durch die dritte ("tautologische") Äquivalenz wollen wir darauf hinweisen, daß wenn die Gruppe Sigma-Tau die Striche auf beiden Seiten hat, man es nicht durch das Stigma ersetzen darf, weil beide Buchstaben ihre eigenen Werte beibehalten, die zusammengezählt werden (Sigma -- 200000 und Tau -- 300, zusammen 200300). /Bemerkung 27/ Manchmal ersetzt man das Stigma durch das Endungssigma, weil das Stigma auf der Tastatur schwer erreichbar ist, in einigen Fonts sogar fehlt, aber dem Endungssigma optisch ähnlich ist. Vielleicht könnte man darum folgende Äquivalenzen in die Sortiertabelle zugeben, um richtiges Sortieren dieses Ersatzes zu erzielen: ςʹ := ϛʹ ͵ς := ͵ϛ /Bemerkung 28/ Weil die Ligatur ϗ keine diakritischen Zeichen bekommt, würden wir sie VOR die Buchstabengruppe και auf dem vierten Niveau einreihen (mit dem Unterscheiden auf dem dritten Niveau, wie es in der Tabelle der Norm ist, sind wir nicht einverstanden, vgl. [Bemerkungen 10, 21]). Bemerkungen zu mehrwortigen Feldern ----------------------------------- /Bemerkung 29/ Bunz und Küster haben sich nur auf klassische Sprachwörterbücher konzentriert. Diese Werke vorstellen spezifische alphabetische Listen, die sich dadurch auszeichnen, daß sie in der Regel fast ausschließlich einwortige Stichwörter beinhalten; zwei- oder mehrwortige Stichwörter sind eher Ausnahme[12]. Auf dieses Problem stößt man schon in der Arbeit von Alain LaBonté. Nichtsdestoweniger bieten Textstücke, die aus mehreren Wörtern bestehen, in bezug auf Sortieren einen wichtigen Gegenstand zum Überlegen.[13] Besonders interessant ist diese Sache im Griechischen: (1) Wenn einem griechischen Wort, das einen Akut auf der letzten Silbe hat, ein Wort, das kein Enklitikon ist, folgt, wird der Akut durch einen Gravis ersetzt. Beim Wort-für-Wort-Sortieren sollte dieser Akzentenwechesel nicht in Betracht genommen werden, da ein Altphilologe etwa folgende Reihenfolge erwartet: ὁ πατήρ ὁ πατὴρ αὐτοῦ ὁ πατήρ μου ὁ πατὴρ ὑμῶν ὄπα Τηρέως ἀκούω ὤρα ὤρα πατρός ὥρα ὥρα νυκτός Im Griechischen dient Der Gravis nur als eine Variante[14] des Akutes; in zusamenhängendem Text kommt der Gravis nur als Ersatz des Akutes vor, wie wir es gezeigt haben. Die gezeigte Reihenfolge könnte man erzielen, wenn man eine generalisierte Form des Prinzips, das wir in der [Fußnote 13] beschrieben haben, anwenden würde, und zwar würde das zweite labontéische Niveau auf zwei selbständige Niveaus aufgeteilt: auf dem Niveau 2a, wo man die Zeichenketten Wort für Wort vergleichen würde, würde man die diakritischen Zeichen in Betracht nehmen, aber keinen Unterschied zwischen dem Akut und dem Gravis machen; das Unterscheiden zwischen dem Akut und dem Gravis käme zustande erst auf dem Niveau 2b, das aber global durchgeführt würde (vgl. auch [Bemerkung 30]). (2) Einige griechische Wörter bekommen einen zusätzlichen Akzent auf die letzte Silbe, wenn ihnen ein Enklitikon folgt. Beim Wort-für-Wort-Sortieren würde ein Altphilologe erwarten eher die Reihenfolge: ἄνθρωπός τις ἄνθρωπος τριάκοντα ἐτῶν als ἄνθρωπος τριάκοντα ἐτῶν ἄνθρωπός τις Also der zusätzliche Akzent sollte nicht in Betracht genommen werden. Es handelt sich um eine mechanische Regel, die man z.B. mit Hilfe eines Präprozessores applizieren kann. Mit den Proklitika und Enklitika wird die Sache noch komplizierter; es ist aber in disem Augenblick nicht so wichtig; es scheint uns wichtiger zu konstatieren, daß aus unserer Sicht das echte Wort-für-Wort-Sortieren, das in dem Paragraph B.2 der vorläufigen Norm PreEN13710 beschrieben ist, für die (alt) griechische Sprache nicht geeignet ist (auch wenn der Teil der zu sortierenden Daten, der in lateinischer oder kyrillischer Schrift ist, es benötigen würde). Allgemeine Bemerkungen ---------------------- /Bemerkung 30/ Im Paragraph 5 ("Tailorability") proklamiert die Norm PreEN13710, daß die sogennanten Europäischen Sortierregeln für beliebiges europäisches Land durch ein Delta adaptiert werden können. Wir sind aber nicht sicher, ob ein Delta für Tschechien (bzw. für die in Tschechien gültige Norm und für die tschechischen Sortiergewohnheiten) vorstellbar ist; wir haben im Sinn das Prinzip, das wir in der [Fußnote 13] beschreiben. Es handelt sich um ein Prinzip, das völlig auf der Form (und nicht auf der Semanik) beruht, also leicht in der Informatik applizierbar. Es ist nicht unsere Aufgabe dies zu überprüfen, sondern es sollte von dem tschechischen Normierungsorgan gemacht werden. Trotzdem wollen wir darauf hinweisen, denn wir denken, daß die Einführung dieses vernünftigen Prinzips in die sogennanten Europäischen Sortierregeln (selbstverständlich ohne jemenden zur seiner Anwendung zu zwingen) allgemein von Nutzen wäre. Übrigens will die Norm PreEN13710 lokale Sortiergewohnheiten nicht beeinflussen, deshalb liegt es nahe, daß fehlende auf Form beruhende lokale Prinzipe in die Norm PreEN13710 eingefürt werden müssen, und es ist um so wichtiger, daß die Norm sich u.a. auf Softwareimplementierer wendet (s. "Introduction"). (Mit dem Begriff "Einführung" meinen wir natürlich, daß die Norm solche Prinzipe zur freien Wahl der Benutzer anbieten, aber nicht in das Default Template einsezen sollte.) Generalisiert man ein bißchen diese Bemerkung, kann man sagen, daß es unmöglich ist, die sogennanten Europäischen Sortierregeln durch ein Delta für solche Sprachen zu adaptieren, wo entweder das echte Wort-für-Wort-Sortieren oder eine intelligente Mischung von Buchstabe-für-Buchstabe- und Wort-für-Wort-Sortieren die einzige zulässige Sortiermethode ist. Es ist Schade, daß solche Sprachen durch die Norm PreEN13710 benachteiligt werden. Vergleiche auch [Bemerkung 29]. /Bemerkung 31/ Aus der Anmerkung im Paragraph 1 ("Scope") haben wir verstanden, daß MES (Modern European Scripts) und MES-3 (Multilingual European Subset Number 3) eine und dieselbe Sache ist. Es scheint uns, daß man im Text der Norm ziemlich willkürlich beide Bezeichnungen benutzt, was ein bißchen verwirrend ist. Midedestens wir wurden dadurch verwirrt, als wir gelesen haben, daß eine Sache MES und eine andere MES-3 betrifft, und so haben wir zuerst gedacht, daß MES-3 nur eine Untergruppe von MES ist. Vielleicht wäre es vernünftig, wenn man nur eine von diesen Bezeichnungen auswählen und dann konsistent im ganzen Text verwenden würde. /Bemerkung 32/ Im Paragraph A.7.1 der vorläufigen Norm PreEN13710 wird gesagt: "It takes special characters into account." Wird damit gemeint "ONLY special characters" oder "ALSO special characters"? Für den Leser ist es eine ziemlich wichtige Information. Konklusion ---------- /Bemerkung 33/ Die standarde Sortierpraxis wurde aufgrund griechischer Wörterbücher nicht festgestellt. /Bemerkung 34/ Der griechische Teil der vorläufigen Norm PreEN13710 benötigt eine gründliche Revision. Fußnoten -------- /Fußnote 1/ Dies ist nur ein Beispiel, damit der Leser weiß, wie in diesem Dokument Fußnoten aussehen. /Fußnote 2/ Es geht hier freilich nur um Sortierprinzipien, die auf Form beruhen. Als das Sortieren eine manuelle Operation war, konnte man dabei auch die Semantik in Betracht nehmen und verschiedene Nuancen berücksichtigen, was übrigens teilweise von Bunz und Küster am Beispiel griechischer Wörterbücher gezeigt worden ist. Die Automatisierung hat das menschliche Element vom Sortierverfahren beseitigt, da die Maschine Sachen anders als der Mensch sieht. Es ist eine philosophische Frage, ob der Mensch der Maschine untergetan sein und nur solche Regeln, die der Maschine verständlich sind, formulieren sollte oder ob er sich mit Halbautomatisierung, die sein Eingriff benötigt, begnügen würde. Es wäre aber unnützlich, diese Frage hier zu behandeln. /Fußnote 3/ Zum Beispiel in der Tradition tschechischer Wörterbücher hat der Typ des diakritischen Zeichens offensichtlich größere Wichtigkeit als seine Stelle im Wort; erst wenn die Reihenfolge zweier Wörter mit gleichem diakritischen Zeichen zu bestimmen ist, wird die Stelle des diakritischen Zeichens in Betracht genommen. Man sortiert also: kanon/kanón/kánon/kaňon/kanonáda. Um diese Reihenfolge zu erzielen, braucht man zwei Niveaus für jeden Typ der diakritischen Zeichen. Es gibt midestens noch eine mehr ökonomische Möglichkeit, wie diese Reihenfolge zu erzielen, es ist aber jetzt unwichtig, da wir sich im vorliegenden Dokument mit dem Tschechischen nicht beschäftigen. Wir werden uns mit der Konstatierung begnügen, daß die gerade beschriebene Tradition auch einige bedeutsame nach dem Jahre 2000 herausgegebene Werke betrifft. /Fußnote 4/ Vergleiche die Reihenfolge ὄρος/ὀρός/ὅρος, die wir im Liddell-Scott, Bailly und Magnien-Lacroix gefunden haben (außer diesen drei Wörterbüchern haben wir noch den Gemoll nachgeschlagen, wo diese Wörter anders eingereiht sind). Vergleiche aber auch [Bemerkung 8] (der zweite Paragraph -- αἶθος/αἰθός und der letzte Paragraph am Ende -- ἅγος/ἀγός). /Fußnote 5/ Obwohl das polytonische System in Griechenland im Jahre 1982 offiziell aufgehoben worden ist, ist es dort immer noch lebendig und viele Griechen es dem monotonischnen System bevorzugen. /Fußnote 6/ Im Rahmen unserer Bemerkungen haben wir folgende Ausgaben von griechischen Wörterbüchern nachgeschlagen: - A. Bailly: Dictionnaire grec-français, [26e] édition revue par L. Séchan et P. Chantraine, ISBN 2-01-001306-9. - P. Chantraine: Dictionnaire étymologique de la langue grecque, Histoire des mots, tomes I, II, III, IV-1, IV-2, Paris 1968-1980. - W. Gemoll: Griechisch-deutsches Schul- und Handwörterbuch, 9. Aufl., ISBN 3-486-13401-9. - Liddell-Scott: siehe [Bemerkung 8]. - V. Magnien, M. Lacroix: Dictionnaire grec-français, achevé d'imprimer en avril 2002. - W. Pape: Handwörterbuch der griechischen Sprache, 2 Bände, 3. Aufl., Braunschweig 1914. - F. Passow: Handwörterbuch der griechischen Sprache, 2 Bände, 4. Aufl., Leipzig 1831 (es scheint, daß Liddell und Scott gerade diese Auflage benutzt haben). - J. G. Schneider: siehe [Bemerkung 3]. /Fußnote 7/ Aus philologischer Sicht ist die Verschiedenheit der Akzente in den von uns in diesem Paragraph angegebenen Paaren berechtigt. Wir haben aber paläographische Materialien nicht überprüft. Nichtsdestoweniger da eine allgemeine Übereinstimmung über das Akzentuieren dieser Wörter bei den Philologen herrscht, kann man annehmen, daß es der Parxis griechischer Handschriften nicht widerspricht. /Fußnote 8/ Der Liddell-Scott hat in dem Paar πείθω/Πειθώ das Stichwort Πειθώ mit großem Π. Sollte es jemanden stören, könnte man dieses Paar durch κύρτος/κυρτός für alle drei Wörterbücher ersetzen, und das Verhältnis bleibt; es gibt hier noch ein paar solche Kleinigkeiten, sie sind aber für uneseren Zweck unwichtig. Es liegt nahe, daß wir statt des neutralen Verhältnisses fifty-fifty die Direktionalität "backward" haben "beweisen" (in Anführungszeichen!) können. /Fußnote 9/ Wir haben dort ein paar Ausnahmen gefunden. /Fußnote 10/ In der sogennanten Europäischen Norm, die für das vierte Niveau das Verfahren "forward" vorschreibt, ist es vernünftig, während es in der internationalen Norm ISO/CEI 14651 als unvernünftig scheint, weil die internationale Norm für das vierte Niveau das Verfahren "position-forward" suggeriert, was ein indeterministisches Sortieren zur Folge hat (denn man will auf dem letzten Niveau Varianten unterscheiden, die auf den vorigen Niveaus nicht ignoriert wurden). Nichtsdestoweniger ist es zweifelhat, was man für vernünftig beim griechischen Akut halten soll, vgl. [Fußnote 11]. /Fußnote 11/ Die Norm ISO/CEI 10646 zwingt leider den Benutzer zum Unterscheiden zwischen einem monotonischnen Akzent und dem polytonischen Akut, obwohl es in der Ordonanz vom 22. April 1982, die die Regeln des monotonischnen Systems bestimmt, heißt: "Ὡς τονικὸ σημάδι χρησιμοποιεῖται ἡ ὀξεία." ("Als Tonzeichen wird der Akut verwendet.") Die Tatsache, daß der Akut in monotonischen Texten manchmal wie ein senkrechter Strich oder wie ein kleines Dreieck aussieht, ist typographische Sache, die eher im Rahmen des Fonts als im Rahmen der Kodierung behandelt werden sollte. Diese Schizophrenie der Norm ISO/CEI 10646 führt dazu, daß die Benutzer, mag es bewußt oder unbewußt sein, beide Varianten des Akutes verwechseln, was für elektronische Datenverarbeitung ungünstige Folgen haben kann. Wir möchten wissen, ob die Unterscheidung zwischen dem monotonischen und dem polytonischen Akut für die Neugriechen wirklich nützlich ist, weil für einen Altphilologen es eher lästig ist. Selbst die Norm ISO/CEI 10646 ist ein bißchen verwirrt in dem, was die Unterscheidung zwischen dem monotonischen und dem polytonischen Akut betrifft: das Zeichen U03D3 "symbol grec upsilon accent aigu et crochet", das evident für das monotonische System bestimmt ist, hat eine Benennung, die dem polytonischen System entspricht (die Norm benutzt den Ausdruck "accent aigu" für den polytonischen Akut, während der bloße Ausdruck "accent" den monotonischen Akut bezeichnet); ähnlich ist es in der englischen Version der Norm. /Fußnote 12/ Je nach der Sprache gibt es in den Wörterbüchern eine gewisse Anzahl zwei- oder sogar mehrwortige Stichwörter. Solche Stichwörter werden aber als ein feststehender Ausdruck empfunden, und dies wird manchmal durch den Bindestrich gekennzeichnet (z.B. Moyen Âge oder auch Moyen-Âge). Und wo sich der Bindestrich befindet, dort liegt die Zusammenschreibung ohne den Bindestrich nahe (z.B. entre-temps oder auch entretemps). Solche Stichwörter bieten keine komplexe Ansicht mehrwortiger Textfelder dar. /Fußnote 13/ In einem Artikel, den wir jetzt vorbereiten, schreiben wir über das Wort-für-Wort-Sortieren folgedes: "Le classement discontinu devient un peu délicat lorsque les mots ne diffèrent que par des signes diacritiques ou par la hauteur de casse. Considérons d'abord ces traits distinctifs du point de vue linguistique: les signes diacritiques se manifestent aussi bien à l'écrit qu'à l'oral; par exemple, les trois mots "cote", "côte" et "côté" ont trois pronontiations différentes; parfois, les signes diacritiques n'affectent pas la prononciation, mais ils distingues souvent des mots sémantiquement et étymologiquement différents, par exemple "mur" et "mûr". D'autre part, la hauteur de casse ne constitue des différences qu'à l'écrit; par exemple, les substantifs "tchèque" (c.-à-d. la langue tchèque) et "Tchèque" (c.-à-d. personne de nationalité tchèque) se prononcent de la même manière; il s'agit souvent de mots apparentés ; de plus, la majuscule peut être conditionnée par position ou par contexte (début d'une phrase, mis en valeur, politesse, etc.). C'est peut-être pour ces raisons qu'une ancienne norme tchécoslovaque (ČSN 01 0181), citée chez Olšák, affaiblissait la valeur distinctive des majuscules en prescrivant de faire d'abord le premeier et le deuxième passage pour le premier mot, puis le premier et le deuxième passage pour le deuxième mot et ainsi de suite jusqu'à le dernier mot, et ensuite de faire le troisième passage globalement pour toute la chaîne de caractère sans tenir compte des espaces. Appliqué à des mots français, ce principe, qui est implicitement inclus, paraît-il, aussi dans la norme tchèque actuelle (ČSN 97 6030) donne le résultat suivant: cote foncière cote mobilière côté cour Côté cuisine côté jardin C'est ce qu'on attend généralement du classement discontinu; nous recommandons donc d'employer ce principe non seulement pour le tchèque. Certains pensent pourtant que, pour faire le classement discontinu, il suffirait de considérer chaque entrée comme une seule chaîne de caractères et de classer l'espace avant toute lettre; leur opinion ne nous paraît justifiée que pour les langues où les signes diacritiques n'ont pas d'importance, tel l'anglais (ou celles dont la diacritique est très spéciale). Néanmoins, la macro "Sort" est assez flexible pour permettre à l'utilisateur de librement définir ce qu'il entend par le classement discontinu. Bien que la division en mots effectuée par le classement discontinu présente déjà une sorte de hiérarchisation, on doit la distinguer de la division en champs qui se fait par la commande \endoffield et qui permet d'établir une structure hiérarchique de l'entrée (c.-à-d. entrée principale, sous-entrée, sous-sous-entrée, etc.)." In unserer Terminologie "passage" = labontéisches "niveau". /Fußnote 14/ Es ist unklar, welcher Unterschied in der Aussprache zwischen dem Akut und dem Gravis war, wenn es überhaupt einen Unterschied gab. Oft wird der Gravis als abgeschwächte Variante des Akutes betrachtet; daher vielleicht die Praxis der altgriechischen Wörterbücher, daß (vor allem zweisilbige) Enklitika durch einen Gravis versehen sind. --Ende--