NESMRTELNÍ |
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SMRTELNÍ |
STERBLICHE |
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Geschichte |
BEISPIELE AUS DEM BILD- UND TEXTTEIL
Dieses Buch ist Ergebnis einer mehrjährigen Beschäftigung mit dem Gegenstand, in dessen Zentrum Grabstellen in Böhmen und Mähren stehen. Erfaßt werden die Gräber wichtiger Persönlichkeiten des böhmisch-mährischen Kulturlebens sowie der Wissenschaften, aber auch - zumeist vergessene - Repräsentanten des nationalen Ausgleichs, die von den Konflikten der Geschichte nur zu häufig beiseite gedrängt worden sind und einer Wiederentdeckung harren. Das Buch versteht sich somit als ein kulturhistorisches Dokument mit dem Anspruch, in Vergessenheit geratene Traditionen der nationalen Versöhnung einem breiteren Publikum zu präsentieren.
Dokumentiert werden die Gräber mit jeweils einem Photo der Grabstelle, zu dem ein Text beigefügt ist, der sich häufig auf den Tod bezieht - im Idealfall aus dem Werk der betreffenden Persönlichkeit. Für die in Theresienstadt bzw. Auschwitz ermordeten Künstler, für die keine Gräber existieren, wurde ein Motiv aus Theresienstadt verwendet und aufgrund der Bedeutung des Platzes mit zwei Textstellen versehen. Eine andere Abweichung ergibt sich bei dem in Flammen umgekommenen Studenten Jan Palach, der aufgrund der heute absurd anmutenden jüngeren Geschichte zwei Gräber besitzt. Die Dokumentation ist auf die Zeit seit dem späten 18. Jahrhundert eingeschränkt, andererseits war man gezwungen, den engeren Rahmen Böhmens und Mährens zu überschreiten, sind doch durch die Zeitläufte sehr viele 'Böhmen' in die weite Welt verstreut worden. Die Anordnung der Texte und Bilder folgt dabei keiner chronologisch-enzyklopädischen Gesetzmäßigkeit, sondern möchte ihrerseits als ein der Synthese verpflichtetes Werk verstanden werden.
Der einem kryptischen Heraklit-Fragment entlehnte Titel 'Nesmrtelní:smrtelní, Sterbliche:Unsterbliche', eine deutsch-tschechische Gemeinschaftsproduktion im bohemistischen Sinne, versteht sich somit seinerseits als Teil einer 'böhmischen' Tradition, die in den letzten Jahrzenten allzu häufig von nationaler Identifikation und eigenkulturell-ethnozentrischer Abgrenzung überlagert worden ist.
Der Band ist zweisprachig konzipiert, er enthält neben dem literarisch-bildnerischen Teil (Photos und Texte) einen einleitenden kultur-historischen Essay sowie einen technischen Anhang (Biobibliographie der Persönlichkeiten und Lagepläne der Grabstellen).

Die Ausstellung. Der Bildband wird bei den Stationen der dazugehörigen Wanderausstellung in Tschechien, Deutschland und Österreich präsentiert. Die Ausstellung ist weiter gefaßt als das Buch: zu den Bildern vom 'Leben' der Gräber werden hier mit Bildern vom Leben auf der Straße Parallelen gezogen. Im Medium des Bildes entsteht ein Geflecht von Bezügen zwischen den Wohnstätten und den Ruhestätten, zwischen den Orten, die Anwesenheit ermöglichen, und denen, die auf Abwesenheit hinweisen. Die Gräberbilder stammen meist aus Tschechien, aber auch aus Österreich und Deutschland, die Straßenbilder meist aus Prag, aber auch aus Münster. Die Ausstellung wandert von ihrem Ausgangsort in der Katholischen Akademie Freiburg über Prag weiter nach Wuppertal, Jena, Erfurt, Düsseldorf, Regensburg, München, Potsdam, Hamburg und Berlin.

František Palacký 1798-1876, Josef Jungmann 1773-1847, Pavel Josef Šafaøík 1795-1861, Josef Dobrovský 1753-1829, Tomáš Garrigue Masaryk 1850-1937, Leopold Kompert 1822-1886, Theodor Lessing 1872-1933, Karel Èapek 1890-1938, Terezín 1944 (Viktor Ullmann 1898-1944, Hans Krasa 1899-1944, Pavel Haas 1899-1944, Gideon Klein 1919-1944, Oskar Wiener 1873-1944, Arnost Kraus 1859-1943, Camill Hoffmann 1878-1944, Karel Poláèek 1892 - 1944), Karel Anèerl 1908-1973, Ota Pavel 1930-1973, Jan Palach 1948-1969, Karel Kryl 1944-1994
Adalbert Stifter 1805-1868, Karel Hynek Mácha 1810-1836, Emanuel Max 1810-1901, Bedøich Smetana 1824-1884, Adolf Loos 1870-1933, Karl Kraus 1874-1936, Max Brod 1884-1968, Ladislav Klíma 1878-1928, Václav Èerný 1905-1987, Jan Patoèka 1907-1977, Vilém Flusser 1920-1991, František Drtikol 1883-1961, Vladimír Holan 1905-1980, Bohuslav Reynek 1892-1971
Moritz Hartmann 1821-1872, Uffo Horn 1817-1860, Svatopluk Èech 1846-1908, Slavín (Jaroslav Vrchlický 1853-1912, Julius Zeyer 1841-1901, Ema Destinnová 1878-1930, Rafael Kubelík 1914-1996, Alfons Mucha 1860-1939, Karel Toman 1877-1946), Herrmann Ungar 1893-1929, Jiøí Karásek ze Lvovic 1871-1951, Ivan Blatný 1929-1990, Vítìzslav Nezval 1900-1958, Jan Skácel 1922-1989
Jan Václav Tomášek 1774-1850, Franz Xaver Duschek 1736-1799, Josephine Duschek 1753-1824, Antonín Chittussi 1847-1891, Oskar Baum 1883-1940, Josef Èapek 1887-1945, Pavel Eisner 1889-1958, Jan Karafiát 1846-1929, Leoš Janáèek 1854-1928, Vladislav Vanèura 1891-1942, Jiøí Orten 1919-1941
Bernard Bolzano 1781-1848, Augustin Smetana 1814-1851, Karel Sabina 1813-1877, Rudolf Glaser 1801-1868, Karl Egon Ebert 1801-1882, Antonín Dvoøák 1841-1904, Jiøí Weil 1900-1959, Richard Weiner 1884-1937, Josef Sudek 1896-1976
Alfred Kubin 1877-1959, František Xaver Šalda 1867-1937, Gustav Meyrink 1868-1932, Hugo Salus 1866-1929, Otokar Bøezina 1868-1929, Jakub Deml 1878-1961, Rainer Maria Rilke (Familie) 1875-1926, Franz Werfel 1890-1945, Franz Kafka 1883-1924, Jan Mukaøovský 1891-1975, Ferdinand Peroutka 1895-1978, Jan Zahradníèek 1905-1960, František Halas 1901-1949
Johann Gottlieb Seume 1763-1810, Franz Thomas Bratranek 1815-1884, Gregor Mendel 1822-1884, Jan Kollár 1793-1852, Ferdinand von Saar 1833-1906, Božena Nìmcová 1820-1862, Jakub Arbes 1840-1914, Josef Mánes 1820-1871, Zdenìk Fibich 1850-1900, Ulrike von Levetzow 1804-1899, Jaroslav Seifert 1901-1986
Josef Wenzig 1807-1875, Jan Neruda 1834-1891, František Ladislav Èelakovský 1799-1852, Karel Havlíèek Borovský 1821-1856, Bohuslav Martinù 1890-1959, Josef Váchal 1884-1969, Jaroslav Hašek 1883-1923, Egon Erwin Kisch 1885-1948, Bohumil Hrabal 1914-1997
BEISPIELE AUS DEM BILD- UND TEXTTEIL
JAN ZAHRADNÍÈEK /1905 - 1960/ OBEN UND UNTEN Den Sternen droben meine Hand sich naht, Doch ohne Schwere aufzusteigen, leicht, Das Oben - Unten liebte er so sehr. |
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FRANZ KAFKA (1883 - 1924) Ich prüfte die Wünsche, die ich für das Leben hatte. Als wichtigster oder als reizvollster ergab sich der Wunsch, eine Ansicht des Lebens zu gewinnen (und - das war allerdings notwendig verbunden - schriftlich die andern von ihr überzeugen zu können), in der das Leben zwar sein natürliches schweres Fallen und Steigen bewahre, aber gleichzeitig mit nicht minderer Deutlichkeit als ein Nichts, als ein Traum, als ein Schweben erkannt werde. |
STEFFEN HÖHNE (1958), geboren in Düsseldorf, studierte Germanistik, Geschichte und Politikwissenschaft an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf 1979 - 1985. Dissertation über Schweizer Literatur (Anthropologie und Literatur. Das Werk von Jeremias Gotthelf und Gottfried Keller im Lichte ethnologischer Theorien). Von 1987 - 1992 wissenschaftlicher Angestellter an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, 1992 - 1996 Lektor an der Katedra germanistiky der Karlsuniversität Prag, danach wissenschaftlicher Assistent an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Gastprofessuren in Oxford/Mississippi und Odense/Dänemark. Habilitation über die deutsch-tschechischen Beziehungen im Zeitalter der Restauration. Seit dem Sommersemester 2000 Professor für Kulturmanagement an der Hochschule für Musik "Franz Liszt" in Weimar. Publikationen zur Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts und zu den deutsch-tschechischen Beziehungen (zusammen mit Marek Nekula: Sprache, Wirtschaft, Kultur. Deutsche und Tschechen in Interaktion, München 1997). Zuletzt Herausgabe der Festschrift für Kurt Krolop (zusammen mit Ehlers, Maidl und Nekula): Brücken nach Prag. Literatur und Kultur in der Donaumonarchie und der Tschechoslowakei, Frankfurt 2000. Steffen Höhne lebt in Weimar und Düsseldorf.
VÌRA KOUBOVÁ(1953), geboren in Südmähren (Klobouky u Brna), studierte Translatologie (Englisch-Deutsch) an der Philosophischen Fakultät der Karlsuniversität Prag (1975 - 1979). Dissertation über das Sprachspiel in der angelsächsischen Literatur als Übersetzungsproblem (1982). Danach Besuch der Prager Photoschule (1986 - 1989), abgeschlossen mit einer theoretischen Arbeit über die Entdeckung von als verloren geltenden Negativplatten mit Bildnissen berühmter Persönlichkeiten der Jahrhundertwende, die im Atelier Mulaè angefertigt wurden (Vergessene Porträts, 1989). 1992 - 1993 acht Monate Aufenthalt in Münster. 1998 sechs Monate Paul-Celan-Stipendium am Institut für die Wissenschaften vom Menschen in Wien. Übersetzungen aus dem Deutschen ins Tschechische: Novalis (Aphorismenauswahl), Friedrich Nietzsche (Fröhliche Wissenschaft, Jenseits von Gut und Böse, Dionysos-Dithyramben, Zur Genealogie der Moral), Franz Kafka (Tagebücher 1913 - 1923, Reisetagebücher, Der Heizer, Briefe an Milena). Zwei Übersetzerpreise vom Tschechischen Literaturfonds und von der tschechischen Übersetzergemeinde (1997 a 1999), der Förderpreis der Robert-Bosch-Stiftung (1999). Photoausstellungen: Zwischen Mauern (Prag 1994), Gesichter mit Geschichten (Prag 1995), Sterbliche : Unsterbliche (Freiburg 2001, Prag 2001, Wuppertal 2001, Jena 2002). In der Photographie befaßt sie sich vor allem mit Porträts, aber auch mit Straßensituationen, die das Zusammenspiel von Mensch und Ort hervorheben. Vìra Koubová lebt in Prag.
| STEFFEN HÖHNE: | Studiengang Kulturmanagement, Platz der Demokratie 2/3, D-99423 Weimar, Bundesrepublik Deutschland
email: steffenhoehne@netscape.net fax: (03643) 555 130. |
| VÌRA KOUBOVÁ: | Novodvorská 34, CZ-142 00 Praha 4, Tschechien |