Handreichung zur Feier des Heiligen Abendmahls in der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Kirche der Ukraine Einführung Die folgende Handreichung zur Feier des Heiligen Abendmahls wurde von der Pastorenkonferenz der DELKU erarbeitet. Bischof und Präsidium der Synode haben die Handreichung der Synode zur Kenntnisnahme vorgelegt. Damit besitzt sie verbindlichen Charakter für den Umgang mit dem Sakrament in den Gemeinden der DELKU. Das Wesen des Heiligen Abendmahls Artikel Wir feiern das Heilige Abendmahl in Übereinstimmung mit der Heiligen Schrift so, wie es von Jesus Christus eingesetzt worden ist. Die Einsetzungsworte lauten: Unser Herr Jesus Christus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach's und gab's seinen Jüngern und sprach: ''Nehmt hin und esset; das ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Solches tut zu meinem Gedächtnis.`` Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Abendmahl, und dankte, und gab ihnen den und sprach: ''Nehmet hin und trinket alle daraus; das ist mein Blut des Neuen Testamentes, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Solches tut, sooft ihr's trinket, zu meinem Gedächtnis`` (1. Korinther 11, 23-25; Lukas 22, 19-20; Matthäus 26, 26-28; Markus 14, 22-24). Artikel Das Heilige Abendmahl ist ein freies Gnadengeschenk unseres Herrn Jesus Christus und sein Testament, das er vor seinem Leiden und Sterben seinen Jüngern hinterlassen hat. Die Elemente oder Zeichen, die Gabe und der Nutzen des Heiligen Abendmahls sind durch die Worte Jesu Christi eindeutig gegeben. Ebenso bestimmt unser Herr durch sein Wort selbst, wen er zu seinem Tisch rufen will. (§ 1) Die Elemente oder Zeichen des Sakraments sind Weizenbrot und Traubenwein. In, mit und unter dem Brot reicht uns der Herr seinen wahren Leib, mit und unter dem Wein sein wahres Blut, so wie es die Worte Jesu ohne jeden Zweifel verkünden. (§ 2) Die Worte Jesu allein, und nicht der Glaube oder die Würdigkeit des Kommunikanten, setzen den wahren Leib und das wahre Blut Jesu gegenwärtig und geben diese, damit sie den Glauben erhalten und stärken. (§ 3) Der Nutzen des heiligen Abendmahles ist die Vergebung der Sünden (1), so wie es die Worte Jesu eindeutig sagen. Mit diesem Hauptnutzen des Sakraments verbinden sich als weitere Früchte die leibhafte Gemeinschaft mit Christus und seinen Heiligen in seiner Kirche aller Zeiten (2), das Gedächtnis des Leidens und Sterbens Jesu Christi, der in seinem Leib und Blut dem Menschen näher kommt, als dieser sich selbst sein kann (3), und die eschatologische Gabe des Reiches Gottes (4). Von der Vorbereitung des Kommunikanten Artikel (§1) Das Tor zum Abendmahl ist die Heilige Taufe. Das Abendmahl hat als Speise den Charakter einer Stärkung des neuen und ewigen Lebens. Dieses Leben muß aber in der Taufe erst gegeben worden sein. In der Konfirmation wird der rechte Glaube an Christus und seine Worte vor Gott und der Gemeinde bekannt und durch den Heiligen Geist bezeugt. Die Taufe und im allgemeinen die Konfirmation sind die beiden Voraussetzungen, durch die der Christ zum Tisch des Herrn gelangt. Anmerkung: Wir gestehen zu, daß der Heilige Geist den rechtfertigenden Glauben auch in einem Menschen weckt, der die Wassertaufe nicht empfangen konnte. Das Abendmahl ist aber das sichtbare Zeichen der Stärkung des Glaubens und setzt daher die sichtbare, d.h. durch das Sakrament der Kirche vollzogene geistliche Geburt in der Taufe voraus. (§2) Fasten und andere äußerliche Vorbereitung auf das Abendmahl werden zwar gutgeheißen, sind aber keine Bedingungen für den Empfang des Sakraments. Allein der Glaube erlangt die Gabe und Frucht, deshalb ist er zusammen mit dem Begehren, die Gabe Jesu zu empfangen, erforderlich. (§ 3) Die rechte Vorbereitung ist aber das Hören des Wortes Gottes, das aufrichtige Bekenntnis der Sünden und das Verlangen nach Vergebung verbunden mit dem festen Vorsatz, das Leben zu ändern. (§ 4) Nach dem Wort des Apostels Paulus prüfe sich jeder Mensch selbst vor dem Abendmahl (1. Kor. 11, 28), daß er nicht unwürdig esse und trinke. Auf welche Weise dies geschieht, schreibt die Heilige Schrift nicht vor. Der Gewissensprüfung dient in unseren Gemeinden im allgemeinen sowohl die gemeinsame als auch die Einzelbeichte, die dem Abendmahl vorausgeht. Die Einzelbeichte in Verbindung mit dem Heiligen Abendmahl (auch Anmeldung zum Abendmahl) ist zwar ein guter Brauch, wird aber nicht zur Pflicht gemacht. (§5) Derjenige ist geschickt, den Leib und das Blut des Herrn zu empfangen, der glaubt, was die Worte Jesu sagen, und von Herzen begehrt, was der Herr in diesem Sakrament gibt. Vom der Einheit des Wortes und Sakramentes Artikel (§ 1) Die Wortverkündigung führt zur Beichte und zum Heiligen Abendmahl und weckt das Verlangen nach dem Sakrament. Das Abendmahl wird in unseren Gemeinden nicht als verzichtbarer Zusatz zum Wort Gottes behandelt. Wort und Sakrament bleiben immer eine Einheit, so wie unser Herr Jesus seine Jünger am Abend vor seinem Leiden mit seinem Evangelium getröstet und mit seinem wahren sakramentalen Leib und Blut gestärkt hat. (§ 2) Das Heilige Abendmahl ist uns von unserem Herrn Jesus Christus als das Neue Testament gegeben. Es teilt den Trost des Wortes an jeden einzelnen ganz persönlich aus und verbindet die einzelnen Glieder untrennbar in dem einen geistlichen Leib unseres Herrn Jesus. Leib und Blut unseres Erlösers können nicht unwirksam bleiben. Sie stärken den Glauben des einzelnen gegen Zweifel und Anfechtung und vereinen die Empfangenden in Dankbarkeit mit dem erhöhten Herrn und allen seinen Heiligen. Kirche und Abendmahl Artikel Die Kirche kann ohne das Abendmahl nicht existieren. Sie ist nämlich der geistliche Leib des Herrn und wird durch den sakramentalen Leib und das Blut des Herrn geeint und gestärkt. Das Abendmahl ist wirksames Zeichen der kirchlichen Gemeinschaft, das heißt es bezeugt sie nicht nur nach außen, sondern bewirkt und erhält sie auch. Häufigkeit des Abendmahls Artikel (§ 1) Die Feier des Heiligen Sakramentes ist nicht in unsere Beliebigkeit gestellt. Wir haben ein Gebot des Herrn: ''Tut dies zu meinem Gedächtnis!`` Wir feiern das Abendmahl, weil unser Herr Jesus Christus es uns aufgetragen hat. (§ 2) Das Heilige Abendmahl soll häufig gereicht werden. Denn ohne diese Stärkung kann der Glaube nicht lange den zahlreichen Anfechtungen widerstehen. Das Wort häufig wird allerdings nicht auf einen bestimmten Zeitabstand festgelegt und richtet sich nach dem konkreten Bedürfnis der Gemeinde. Jedoch soll eine Gemeinde nicht lange Zeit ohne diese Stärkung des Glaubens bleiben. (§ 3) Die Hirten der Gemeinde haben die Pflicht, das Heilige Abendmahl jedem Gläubigem zu reichen, der danach begehrt und nach den Worten unseres Herrn Jesus Christus geschickt ist, die da lauten: ''Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquikken!`` (Matthäus 11, 28). Das Abendmahl als Sakrament der Rechtfertigung Artikel (§ 1) Der Mensch ist im Abendmahl ganz und gar Empfangender. Er verzichtet auf all sein eigenes Werk und Verdienst und öffnet sich für die Gabe und das Verdienst seines Heilandes. In Leib und Blut unseres Herrn Jesus ist das ganze Neue Testament zusammengefaßt. Alles, was der Gläubige zum Tisch des Herrn bringen kann, ist sein Hunger und sein Dürsten. Nur wer sich von seinen eigenen Verdiensten und Werken lossagt und deshalb seine Schwäche fühlt, ist geschickt zum Sakrament. (§ 2) Leib und Blut Christi werden mit und unter Brot und Wein als Arznei des guten himmlischen Arztes gereicht (Markus 2, 17). Sie erfordern nicht Gesundheit, sondern wollen Krankheit heilen. Sie teilen die Frucht des Kreuzesbaumes aus zur Vergebung der Sünden, Stärkung des Glaubens und als Angeld der leiblichen Auferstehung. Artikel Wer das Heilige Abendmahl im rechten Glauben empfängt, der preist damit die Barmherzigkeit Gottes, der auf das Niedrige schaut und das Starke von ferne sieht. Im Empfang des Sakramentes erfüllt der Mensch das erste Gebot, indem er sich von seiner eigenen Gerechtigkeit völlig absagt und allein die Gerechtigkeit Christi anzieht; denn nicht unser Körper verwandelt die geistliche Speise in sich, sondern umgekehrt wandelt die geistliche Speise uns in sich um. Lob und Preis sei Gott dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit. Amen.